TY - THES T1 - Widersprüche in Personenbeschreibungen : Einfluss der Textkohärenz auf die Enkodierung und das Erinnern inkonsistenter Personenmerkmale A1 - Junker,Nadine Y1 - 2007/06/28 N2 - Die vorliegende Dissertation untersuchte die Frage nach dem Einfluss der textuellen Kohärenz einer Personenbeschreibung auf die Verarbeitung und das Erinnern inkonsistenter Personeninformation. Damit wurde eine der empirisch best untersuchten Fragestellungen der sozialen Kognitionsforschung aufgegriffen und unter Berücksichtigung einer in der Textverstehensforschung wesentlichen Variablen betrachtet. Die Verarbeitung inkonsistenter Personeninformation wurde in der sozialen Kognitionsforschung intensiv untersucht (vgl. Stangor & McMillan 1992). In diesen Untersuchungen resultierte häufig ein Inkonsistenzeffekt, der den Effekt bezeichnet, dass inkonsistente Information über Personen besser erinnert wird als konsistente Personeninformation (vgl. Stangor & McMillan, 1992 für einen Überblick). Der Effekt wird theoretisch mittels eines assoziativen Netzwerkansatzes erklärt. Die Theorie nimmt an, dass die Verarbeitung inkonsistenter Personeninformation komplexer ist und daher mehr Zeit beansprucht als die Verarbeitung konsistenter Personeninformation. Weiterhin wird angenommen, dass die inkonsistente Information besser im Gedächtnis verknüpft ist und daher besser erinnert wird (vgl. Stangor & McMillan, 1992 für einen Überblick). Der beschriebene Effekt beruht auf einem prominenten Stimulusparadigma, das in Untersuchungen der sozialen Kognitionsforschung breite Verwendung findet (Krolak-Schwerdt, 2000). Hierbei wird die Stimulusinformation lediglich aufgelistet statt linguistisch miteinander verknüpft zu werden. Die Forschung zum Textverstehen zeigte jedoch, dass die Bildung einer kohärenten mentalen Repräsentation durch höhere Kohärenz des Textes erleichtert wird (vgl. van den Broek, 1994 oder Kintsch, 1998). Kausale Konjunktionen wie "weil" oder "obwohl" dienen der Etablierung textueller Kohärenz. Sie zeigen an, in welcher semantischen Beziehung verbundene Aussagen stehen (Noordman & Vonk, 1997) und können somit die Integration der Information in eine kohärente mentale Repräsentation unterstützen. Mit der vorliegenden Arbeit wurde der Einfluss der Kohärenz einer Personenbeschreibung auf die Verarbeitung und das Gedächtnis für inkonsistente Personeninformation untersucht. In drei Experimentalphasen wurde der Hypothese nachgegangen, dass die Kohärenz einer Personenbeschreibung die Integration inkonsistenter Personeninformation erleichtert. Es wurde angenommen, dass der Inkonsistenzeffekt bei der Verarbeitung und dem Erinnern von Personenbeschreibungen im Falle kohärenter Personenbeschreibung nicht auftreten sollte. Durch Einführung der Variable Textkohärenz wurde eine Erhöhung der Komplexität des Stimulusmaterials und damit eine Anpassung des Materials an die Komplexität natürlicher Personenbeschreibungen vorgenommen. Daher untersuchte die vorliegende Dissertation ebenso die ökologische Validität des Inkonsistenzeffekts und entsprechender theoretischer Modelle. Zur Ableitung von Hypothesen wurde ein Modellvorschlag unterbreitet, der Annahmen zur Verarbeitung und Repräsentation inkonsistenter Personeninformation um Annahmen der Textverstehensforschung ergänzt. In drei Experimentalphasen wurden die gleichen personenbeschreibenden Aussagen einer Gruppe von Probanden entweder unverknüpft oder mit kausalen Konjunktionen verknüpft dargeboten. Einer Gruppe von Probanden wurde die Information demnach in einer hoch kohärenten, verknüpften, Version dargeboten. Der anderen Gruppe wurde die gleiche Information in einer niedrig kohärenten, unverknüpften, Version präsentiert. Jedes Experiment wurde mit unterschiedlichen Materialsets repliziert. In Phase I wurde der Einfluss der Textkohärenz auf die Informationsverarbeitung anhand von Lesezeiten untersucht. In Phase II wurde das Gedächtnis anhand von Free Recall Experimenten getestet. In Phase III wurden Rekognitionsparameter betrachtet. In Phase I zeigte sich, dass die Verarbeitung inkonsistenter Personeninformation nicht mehr Zeit beanspruchte als die der konsistenten Information, wenn die personenbeschreibenden Aussagen mit kausalen Konjunktionen verknüpft waren. In der unverknüpften Bedingung jedoch resultierte ein Inkonsistenzeffekt. Hier war die Verarbeitung der inkonsistenten Information zeitaufwändiger als die der konsistenten. In Phase II zeigte sich, dass der Inkonsistenzeffekt bei hoher Textkohärenz signifikant geringer ausfiel als bei niedriger Kohärenz. Schließlich zeigte sich in Phase III, dass auch im Rekognitionsgedächtnis bei hoher Textkohärenz kein Inkonsistenzeffekt auftrat. Insgesamt zeigte sich, dass die textuelle Kohärenz einer Personenbeschreibung die Verarbeitung und die Repräsentation inkonsistenter Personenattribute signifikant beeinflusste. Die erzielten Befunde stellen außerdem die ökologische Validität des Inkonsistenzeffekts in Frage, da der Effekt von der Komplexität des dargebotenen Stimulusmaterials abhängig zu sein scheint. KW - Textverstehen KW - Textkohärenz KW - Soziale Wahrnehmung CY - Saarbrücken PB - Universitäts- und Landesbibliothek AD - Postfach 151141, 66041 Saarbrücken UR - http://scidok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2007/1154 ER -