TY - THES T1 - Der Einfluss von Stereotypizität, sprachlichen Verknüpfungen und Konsistenz einer Personbeschreibung auf die soziale Informationsverarbeitung A1 - Renaud,Dagmar Y1 - 2007/08/17 N2 - Die vorliegende Arbeit untersucht den wechselseitigen Einfluss stereotypen Wissens und sprachlicher Mittel zur Aussagenverknüpfung (Konnektoren) auf die Verarbeitung und das Verstehen personbeschreibender Texte. Als Spezifizierung der Fragestellung wird zudem die Wechselwirkung zwischen der Konsistenz stereotyper Informationen und der sprachlichen Verknüpfung untersucht. Die Arbeit geht von Modellen aus dem Bereich der sozialen Kognitionsforschung aus, in denen angenommen wird, dass die soziale Informationsverarbeitung entweder durch aktivierte Stereotype geleitet wird oder merkmalsgeleitet verläuft. Eine stereotypgeleitete Verarbeitung erleichtert den Verarbeitungs- und Verstehensprozess durch die Bereitstellung eines interpretativen Rahmens. In diesem Fall verläuft die Verarbeitung automatisch und kognitiv wenig beanspruchend. Wird allerdings Information wahrgenommen, die inkonsistent zum aktivierten Stereotyp ist, treten Verarbeitungsschwierigkeiten auf. Der Leser ist bestrebt, die unerwartete Information zu erklären, was aufwändige Integrations- und Inferenzprozesse zur Folge hat. Bei merkmalsgeleiteter Verarbeitung können die wahrgenommenen Merkmale nicht eindeutig einem Stereotyp zugeordnet werden. In diesem Fall orientiert sich die Verarbeitung an den einzelnen Merkmalen, die schrittweise verarbeitet und zueinander in Beziehung gesetzt werden. Dieser Verarbeitungsmodus gilt als aufmerksamkeits- und zeitintensiv. Eine weitere theoretische Basis liefern Annahmen aus dem Bereich der Textverstehensforschung, die sich mit der Funktion von Konnektoren befassen. Hier ist besonders die Integrationsfunktion nach Noordman und Vonk (1997) zu nennen, nach der Konnektoren zu einer Verarbeitungserleichterung führen, indem die Art der bestehenden Relation zwischen zwei Aussagen signalisiert wird. Im Zentrum dieser Arbeit steht die Prüfung der Übertragbarkeit des in der Textverstehensforschung angesiedelten scenario mapping Modells von Sanford und Garrod (1998) auf die soziale Informationsverarbeitung. Das Modell integriert Annahmen zur Rolle stereotypen Vorwissens und der Funktion von Konnektoren in einem Ansatz. Es soll gezeigt werden, dass dieses Modell gewinnbringend in der sozialen Kognitionsforschung angewendet werden kann, mit dem Ziel, die Theoriebildung der sozialen Kognitionsforschung zu erweitern. Das Modell unterscheidet zwischen dem primary processing Modus (stereotypgeleitete Verarbeitung), in dem stereotype Wissensstrukturen Verarbeitung und Verstehen dominieren und Konnektoren keinen Einfluss auf die Verarbeitung haben, und dem secondary processing Modus (merkmalsgeleitete Verarbeitung), in dem keine stereotype Wissensstruktur zur Verfügung steht und Inferenzprozesse zur Integration der Information stattfinden. In diesem Verarbeitungsmodus können Konnektoren die Verarbeitung erleichtern, indem sie als Anweisungen dienen, wie die Informationen zu verarbeiten sind. In einer ersten Experimentalserie wurde der wechselseitige Einfluss vom Stereotypbezug einer Personbeschreibung und Konnektoren auf die soziale Informationsverarbeitung untersucht. In zwei Lesezeitenexperimenten konnte gezeigt werden, dass bei Vorgabe einer stereotypen Personbeschreibung (primary processing) Konnektoren keinen Einfluss auf die Verarbeitung haben. Wie erwartet fand sich kein Unterschied in den Lesezeiten zwischen dem sprachlich verknüpften und unverknüpften stereotypem Text. Bei Vorgabe einer individuellen Personbeschreibung (secondary processing) hingegen konnte die Annahme bestätigt werden, dass Konnektoren verarbeitungserleichternd wirken. Dies zeigte sich in einem signifikanten Anstieg der Lesezeiten, wenn die personbeschreibenden Aussagen sprachlich unverknüpft dargeboten wurden. Eine zweite Experimentalserie fokussierte die Integration stereotypinkonsistenter Information bei aktiviertem Stereotyp. In einem Lesezeitexperiment wurde gezeigt, dass stereotypinkonsistente Information schneller gelesen wird, wenn sie verknüpft dargeboten wird. Zudem wurde mittels eines Rekognitions-Priming-Paradigmas gezeigt, dass in der Rekognitionsphase die Aktivierung des stereotypinkonsistenten Target-Items durch das auch im Stimulustext vorausgehende Prime-Item schneller erfolgt, wenn die Items zuvor sprachlich verknüpft dargeboten wurden. Dies spricht für eine stärkere assoziative Verbindung zwischen dem Prime- und Targetitem, wenn diese sprachlich verknüpft wurden. Zusammenfassend konnte in den vier Experimenten gezeigt werden, dass die Integration individueller Merkmale sowie stereotypinkonsistenter Information durch die Verwendung von Konnektoren erleichtert wird. Die Verarbeitung stereotypkonsistenter Merkmale hingegen wird nicht von Konnektoren beeinflusst. Zusammenfassend zeigen die Befunde, dass sich das scenario mapping Modell auf die soziale Informationsverarbeitung übertragen lässt. KW - Stereotyp KW - Textverstehen KW - Konnektor KW - Soziale Kognition CY - Saarbrücken PB - Universitäts- und Landesbibliothek AD - Postfach 151141, 66041 Saarbrücken UR - http://scidok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2007/1250 ER -