TY - THES T1 - Ausmaß, Variabilität und Zeitverlauf von Anpassungserscheinungen an ein 50-wöchiges gesundheitssportliches Ausdauertraining A1 - Scharhag-Rosenberger,Friederike Y1 - 2009/01/06 N2 - Bislang liegen kaum wissenschaftlich gesicherte Informationen darüber vor, welches Ausmaß, welche Variabilität und welchen Zeitverlauf Anpassungserscheinungen innerhalb des ersten Jahres nach Beginn eines gesundheitssportlichen Ausdauertrainings aufweisen. Die meisten Studien dauerten nur wenige Monate oder untersuchten für Einsteiger ungeeignet intensive Trainingsprogramme. Kenntnisse der genannten Parameter erscheinen notwendig, um Gesundheitssportler zu betreuen und Studien adäquat zu planen. Daher sollten das Ausmaß, die Variabilität und der Zeitverlauf von verschiedenen Adaptationen an ein gesundheitssportliches Ausdauertraining über ein Jahr untersucht werden. Achtzehn initial untrainierte Probanden (7 Männer/11 Frauen; 42±5 Jahre; Body-Mass-Index: 24,3±2,5 kg/m2; maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max): 37,7±4,6 ml/min/kg) schlossen ein 50-wöchiges Trainingsprogramm, bestehend aus dreimal wöchentlich 45 min Laufen oder Walking mit konstanter Herzfrequenz (HF)-Vorgabe von 60% HF-Reserve, ab. Laufbandtests zur Bestimmung von HF, Blutlaktatkonzentration und Atemgasparametern sowie venöse Blutentnahmen wurden im Rahmen eines Eignungs- und Gewöhnungstests, eines Eingangstests sowie nach drei, sechs, neun und zwölf Monaten Training durchgeführt. Zusätzlich erfolgten Fahrradergometrien vor Trainingsbeginn und nach Abschluss des Trainings sowie spirometrische Messungen des Ruheumsatzes vor Trainingsbeginn, nach sechs und nach zwölf Monaten Training. Submaximale Feldstufentests zur Bestimmung der HF-Leistungskurve fanden ergänzend innerhalb der ersten drei Trainingsmonate 14-täglich und im weiteren Studienverlauf vierwöchentlich statt. Durch das Ausdauertraining veränderte sich das Körpergewicht nicht signifikant (p=0,17; n=18), während sich der Körperfettanteil signifikant um insgesamt im Mittel -3,7±2,3% (-7,8 bis +1,8%) veränderte (p<0,001; n=18). Die VO2max veränderte sich im Trainingsverlauf signifikant um insgesamt durchschnittlich +5,7±4,1 ml/min/kg (-1,1 bis +13,8 ml/min/kg; p<0,001; n=17). Nach drei, sechs bzw. neun Monaten Training waren durchschnittlich 58, 75 bzw. 84 % der Ein-Jahres-Gesamtveränderung erreicht. Bei vier der 17 Probanden stieg die VO2max im Trainingsverlauf nicht an. Die Ruheherzfrequenz der Probanden veränderte sich insgesamt um durchschnittlich -9±6 /min (-24 bis +1 /min; p<0,001; n=18) und 47 bzw. 102 % der Ein-Jahres-Gesamtveränderung waren nach drei bzw. sechs Monaten Training erreicht. Vier der 18 Studienteilnehmer zeigten keine Abnahme der Ruheherzfrequenz. Die HF-Leistungskurve beim Laufbandtest verschob sich durch das Ausdauertraining insgesamt um im Mittel -11±7 /min (-22 bis +1 /min; p<0,001; n=18). Nach drei bzw. sechs Monaten Training waren 93 bzw. 101 % der Ein-Jahres-Gesamtveränderung erreicht. Bei drei der 18 Probanden verschob sich die HF-Leistungskurve nicht. Die submaximalen Feldstufentests ergaben nach der neunten Trainingswoche keine weitere Verschiebung der HF-Leistungskurve (p>0,59; n=18). Die Leistung an der individuellen anaeroben Schwelle (IAS) im fahrradergometrischen Stufentest veränderte sich im Trainingsverlauf signifikant um durchschnittlich +16±9 W (-1 bis +35 W; p<0,001; n=15). Der Ruheumsatz der Probanden stieg im Studienverlauf weder absolut noch körpergewichtsbezogen signifikant an (p=0,43 bzw. p=0,27; n=17). Auch Gesamtcholesterin, HDL- und LDL-Cholesterin veränderten sich nicht signifikant (p=0,21 bzw. p=0,22 bzw. p=0,16; n=18). Unter den Studienteilnehmern gab es insgesamt keine "Nonresponder" in dem Sinne, dass alle Deskriptoren der Ausdauerleistungsfähigkeit ohne Effekt blieben. Alle untersuchten Indikatoren der Ausdauerleistungsfähigkeit hatten nach sechs Monaten Training mindestens 75% ihrer Ein-Jahres-Gesamtveränderung erreicht. Es erscheint für Sporteinsteiger daher empfehlenswert, ihre Trainingsvorgabe nach etwa diesem Zeitraum zu erhöhen, um weiterhin Leistungsverbesserungen zu erzielen. Da die HF-Leistungskurve bereits nach drei Monaten Training über 90% ihrer Ein-Jahres-Gesamtveränderung erreicht hatte, scheint sie bei längeren Studien mit konstanter Trainingsvorgabe keinen geeigneten Parameter zur Dokumentation von Adaptationen darzustellen. Bei etwa 70% der Studienteilnehmer blieb mindestens ein untersuchter Parameter unverändert. Zur kompletten Dokumentation und Charakterisierung individueller Leistungsverbesserungen sollten daher Parameter unterschiedlicher Adaptations- und Messebenen erfasst werden. Die vorliegende Untersuchung wirft Zweifel an der Existenz von globalen Nonrespondern bei gesundheitssportlichem Ausdauertraining auf. Untersuchungen an größeren Stichproben sind notwendig, um dem nachzugehen. Bei konstanter Trainingsvorgabe von 60 % HF-Reserve sind nach einem Jahr dreimal wöchentlich 45 min Ausdauertraining im Mittel Anstiege der VO2max um etwa 6 ml/min/kg sowie Absenkungen der Ruheherzfrequenz und der HF-Leistungskurve um etwa 10 /min zu erwarten. KW - Gesundheitssport KW - Ausdauertraining KW - Ausdauerleistung CY - Saarbrücken PB - Universitäts- und Landesbibliothek AD - Postfach 151141, 66041 Saarbrücken UR - http://scidok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2009/1848 ER -