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Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:bsz:291-scidok-11544
URL: http://scidok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2007/1154/


Widersprüche in Personenbeschreibungen : Einfluss der Textkohärenz auf die Enkodierung und das Erinnern inkonsistenter Personenmerkmale

Contradictions in person descriptions : effect of text coherence on the encoding and remembering of inconsistent person attributes

Junker, Nadine

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SWD-Schlagwörter: Textverstehen , Textkohärenz , Soziale Wahrnehmung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Soziale Kognition , Inkonsistenzeffekt , Mentales Modell
Freie Schlagwörter (Englisch): social cognition , text comprehension , inconsistency effect , textual coherence , mental model
Institut: Fachrichtung 5.3 - Psychologie
Fakultät: Fakultät 5 - Philosophische Fakultät III
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Krolak-Schwerdt, Sabine (PD Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 22.11.2006
Erstellungsjahr: 2006
Publikationsdatum: 28.06.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Dissertation untersuchte die Frage nach dem Einfluss der textuellen Kohärenz einer Personenbeschreibung auf die Verarbeitung und das Erinnern inkonsistenter Personeninformation. Damit wurde eine der empirisch best untersuchten Fragestellungen der sozialen Kognitionsforschung aufgegriffen und unter Berücksichtigung einer in der Textverstehensforschung wesentlichen Variablen betrachtet. Die Verarbeitung inkonsistenter Personeninformation wurde in der sozialen Kognitionsforschung intensiv untersucht (vgl. Stangor & McMillan 1992). In diesen Untersuchungen resultierte häufig ein Inkonsistenzeffekt, der den Effekt bezeichnet, dass inkonsistente Information über Personen besser erinnert wird als konsistente Personeninformation (vgl. Stangor & McMillan, 1992 für einen Überblick). Der Effekt wird theoretisch mittels eines assoziativen Netzwerkansatzes erklärt. Die Theorie nimmt an, dass die Verarbeitung inkonsistenter Personeninformation komplexer ist und daher mehr Zeit beansprucht als die Verarbeitung konsistenter Personeninformation. Weiterhin wird angenommen, dass die inkonsistente Information besser im Gedächtnis verknüpft ist und daher besser erinnert wird (vgl. Stangor & McMillan, 1992 für einen Überblick).

Der beschriebene Effekt beruht auf einem prominenten Stimulusparadigma, das in Untersuchungen der sozialen Kognitionsforschung breite Verwendung findet (Krolak-Schwerdt, 2000). Hierbei wird die Stimulusinformation lediglich aufgelistet statt linguistisch miteinander verknüpft zu werden.

Die Forschung zum Textverstehen zeigte jedoch, dass die Bildung einer kohärenten mentalen Repräsentation durch höhere Kohärenz des Textes erleichtert wird (vgl. van den Broek, 1994 oder Kintsch, 1998). Kausale Konjunktionen wie "weil" oder "obwohl" dienen der Etablierung textueller Kohärenz. Sie zeigen an, in welcher semantischen Beziehung verbundene Aussagen stehen (Noordman & Vonk, 1997) und können somit die Integration der Information in eine kohärente mentale Repräsentation unterstützen.

Mit der vorliegenden Arbeit wurde der Einfluss der Kohärenz einer Personenbeschreibung auf die Verarbeitung und das Gedächtnis für inkonsistente Personeninformation untersucht. In drei Experimentalphasen wurde der Hypothese nachgegangen, dass die Kohärenz einer Personenbeschreibung die Integration inkonsistenter Personeninformation erleichtert. Es wurde angenommen, dass der Inkonsistenzeffekt bei der Verarbeitung und dem Erinnern von Personenbeschreibungen im Falle kohärenter Personenbeschreibung nicht auftreten sollte.

Durch Einführung der Variable Textkohärenz wurde eine Erhöhung der Komplexität des Stimulusmaterials und damit eine Anpassung des Materials an die Komplexität natürlicher Personenbeschreibungen vorgenommen. Daher untersuchte die vorliegende Dissertation ebenso die ökologische Validität des Inkonsistenzeffekts und entsprechender theoretischer Modelle.

Zur Ableitung von Hypothesen wurde ein Modellvorschlag unterbreitet, der Annahmen zur Verarbeitung und Repräsentation inkonsistenter Personeninformation um Annahmen der Textverstehensforschung ergänzt.

In drei Experimentalphasen wurden die gleichen personenbeschreibenden Aussagen einer Gruppe von Probanden entweder unverknüpft oder mit kausalen Konjunktionen verknüpft dargeboten. Einer Gruppe von Probanden wurde die Information demnach in einer hoch kohärenten, verknüpften, Version dargeboten. Der anderen Gruppe wurde die gleiche Information in einer niedrig kohärenten, unverknüpften, Version präsentiert. Jedes Experiment wurde mit unterschiedlichen Materialsets repliziert.

In Phase I wurde der Einfluss der Textkohärenz auf die Informationsverarbeitung anhand von Lesezeiten untersucht. In Phase II wurde das Gedächtnis anhand von Free Recall Experimenten getestet. In Phase III wurden Rekognitionsparameter betrachtet.

In Phase I zeigte sich, dass die Verarbeitung inkonsistenter Personeninformation nicht mehr Zeit beanspruchte als die der konsistenten Information, wenn die personenbeschreibenden Aussagen mit kausalen Konjunktionen verknüpft waren. In der unverknüpften Bedingung jedoch resultierte ein Inkonsistenzeffekt. Hier war die Verarbeitung der inkonsistenten Information zeitaufwändiger als die der konsistenten.

In Phase II zeigte sich, dass der Inkonsistenzeffekt bei hoher Textkohärenz signifikant geringer ausfiel als bei niedriger Kohärenz.

Schließlich zeigte sich in Phase III, dass auch im Rekognitionsgedächtnis bei hoher Textkohärenz kein Inkonsistenzeffekt auftrat.

Insgesamt zeigte sich, dass die textuelle Kohärenz einer Personenbeschreibung die Verarbeitung und die Repräsentation inkonsistenter Personenattribute signifikant beeinflusste. Die erzielten Befunde stellen außerdem die ökologische Validität des Inkonsistenzeffekts in Frage, da der Effekt von der Komplexität des dargebotenen Stimulusmaterials abhängig zu sein scheint.
Kurzfassung auf Englisch: The present thesis investigated the influence of textual coherence to the processing and remembering of inconsistent person information. So, one of the most prominent topics in social cognition was investigated under consideration of an important variable of text comprehension research. The processing of inconsistent person information was widely examined in social cognition research (cf. Stangor & McMillan, 1992). There often resulted an inconsistency effect that describes the phenomenon that inconsistent person information is better remembered than consistent person information (cf. Stangor & McMillan, 1992 for an overview). This effect is theoretically explained in terms of associate network theory. This theory assumes that the processing of inconsistent person information is more complex and therefore more time consuming than the processing of consistent person information. Furthermore, inconsistent information is better connected in memory and is consequently better remembered (cf. Stangor & McMillan, 1992 for an overview).

The described effect relies on a paradigm commonly used in social cognition research (Krolak-Schwerdt, 2000). Here, the stimulus information is simply listed instead of being linguistically connected.

Text comprehension research demonstrated that text coherence facilitates the forming of coherent mental representations (cf. van den Broek, 1994 or Kintsch, 1998). Causal conjunctions as "because'; or "although'; serve to the establishing of text coherence. They indicate the semantic relationship between connected statements (Noordman & Vonk, 1997). So they can support the integration of information in a coherent representation.

The present work investigated the effect of textual coherence of a person description to the processing and remembering of inconsistent person information. Three experimental phases explored the hypothesis that the coherence of a person description facilitates the integration of inconsistent information. It was assumed that the inconsistency effect at processing and remembering person descriptions would not show up in case of coherent person descriptions.

The introduction of the variable text coherence enhanced the complexity of the stimulus material so that the complexity of the material was accommodated to natural person descriptions. Therefore, the present thesis also examined the ecological validity of the inconsistency effect and according theoretical models.

To deduce hypotheses, a model was proposed that completes assumptions regarding the processing and representation of inconsistent person information with assumptions of text comprehension.

In three experimental phases, the same person describing statements were presented to a group of subjects either unconnected or connected with causal conjunctions. So, the information was presented to one group of subjects in a high coherent, connected, version. The same information was presented to the other group in a low coherent, unconnected, version. Each experiment was replicated with different stimulus sets.

In Phase I, the influence of text coherence to the information processing was analyzed by means of reading times. In Phase II, the memory was examined using free recall experiments. In Phase III, recognition parameters were studied.

In Phase I it was shown that processing inconsistent person information did not need more time than processing consistent person information if the person describing statements were connected with causal conjunctions. However, an inconsistency effect resulted in the unconnected condition. Here, the processing of inconsistent information was more time-consuming than the processing of consistent information.

In Phase II it was shown that the inconsistency effect was significantly reduced in case of high coherence compared to low coherence.

Finally, in Phase III it was shown that also in recognition memory the inconsistency effect did not show up with high text coherence.

To sum up, it was shown that textual coherence of a person description significantly influenced the processing and representation of inconsistent person attributes. Furthermore, the results question the ecological validity of the inconsistency effect because the effect seems to depend upon the complexity of the presented stimulus material.
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