SciDok

Eingang zum Volltext in SciDok

Lizenz

Dissertation zugänglich unter
URN: urn:nbn:de:bsz:291-scidok-12500
URL: http://scidok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2007/1250/


Der Einfluss von Stereotypizität, sprachlichen Verknüpfungen und Konsistenz einer Personbeschreibung auf die soziale Informationsverarbeitung

Effects of stereotyping, connecting expressions, and consistency of a person description on social cognition

Renaud, Dagmar

pdf-Format:
Dokument 1.pdf (1.017 KB)

Bookmark bei Connotea Bookmark bei del.icio.us
SWD-Schlagwörter: Stereotyp , Textverstehen , Konnektor , Soziale Kognition
Freie Schlagwörter (Deutsch): Soziale Informationsverarbeitung
Freie Schlagwörter (Englisch): stereotype, social cognition, text comprehension
Institut: Fachrichtung 5.3 - Psychologie
Fakultät: Fakultät 5 - Philosophische Fakultät III
DDC-Sachgruppe: Psychologie
Dokumentart: Dissertation
Hauptberichter: Krolak-Schwerdt, Sabine (PD Dr.)
Sprache: Deutsch
Tag der mündlichen Prüfung: 14.02.2007
Erstellungsjahr: 2007
Publikationsdatum: 17.08.2007
Kurzfassung auf Deutsch: Die vorliegende Arbeit untersucht den wechselseitigen Einfluss stereotypen Wissens und sprachlicher Mittel zur Aussagenverknüpfung (Konnektoren) auf die Verarbeitung und das Verstehen personbeschreibender Texte. Als Spezifizierung der Fragestellung wird zudem die Wechselwirkung zwischen der Konsistenz stereotyper Informationen und der sprachlichen Verknüpfung untersucht.
Die Arbeit geht von Modellen aus dem Bereich der sozialen Kognitionsforschung aus, in denen angenommen wird, dass die soziale Informationsverarbeitung entweder durch aktivierte Stereotype geleitet wird oder merkmalsgeleitet verläuft. Eine stereotypgeleitete Verarbeitung erleichtert den Verarbeitungs- und Verstehensprozess durch die Bereitstellung eines interpretativen Rahmens. In diesem Fall verläuft die Verarbeitung automatisch und kognitiv wenig beanspruchend. Wird allerdings Information wahrgenommen, die inkonsistent zum aktivierten Stereotyp ist, treten Verarbeitungsschwierigkeiten auf. Der Leser ist bestrebt, die unerwartete Information zu erklären, was aufwändige Integrations- und Inferenzprozesse zur Folge hat. Bei merkmalsgeleiteter Verarbeitung können die wahrgenommenen Merkmale nicht eindeutig einem Stereotyp zugeordnet werden. In diesem Fall orientiert sich die Verarbeitung an den einzelnen Merkmalen, die schrittweise verarbeitet und zueinander in Beziehung gesetzt werden. Dieser Verarbeitungsmodus gilt als aufmerksamkeits- und zeitintensiv.
Eine weitere theoretische Basis liefern Annahmen aus dem Bereich der Textverstehensforschung, die sich mit der Funktion von Konnektoren befassen. Hier ist besonders die Integrationsfunktion nach Noordman und Vonk (1997) zu nennen, nach der Konnektoren zu einer Verarbeitungserleichterung führen, indem die Art der bestehenden Relation zwischen zwei Aussagen signalisiert wird.
Im Zentrum dieser Arbeit steht die Prüfung der Übertragbarkeit des in der Textverstehensforschung angesiedelten scenario mapping Modells von Sanford und Garrod (1998) auf die soziale Informationsverarbeitung. Das Modell integriert Annahmen zur Rolle stereotypen Vorwissens und der Funktion von Konnektoren in einem Ansatz. Es soll gezeigt werden, dass dieses Modell gewinnbringend in der sozialen Kognitionsforschung angewendet werden kann, mit dem Ziel, die Theoriebildung der sozialen Kognitionsforschung zu erweitern.
Das Modell unterscheidet zwischen dem primary processing Modus (stereotypgeleitete Verarbeitung), in dem stereotype Wissensstrukturen Verarbeitung und Verstehen dominieren und Konnektoren keinen Einfluss auf die Verarbeitung haben, und dem secondary processing Modus (merkmalsgeleitete Verarbeitung), in dem keine stereotype Wissensstruktur zur Verfügung steht und Inferenzprozesse zur Integration der Information stattfinden. In diesem Verarbeitungsmodus können Konnektoren die Verarbeitung erleichtern, indem sie als Anweisungen dienen, wie die Informationen zu verarbeiten sind.
In einer ersten Experimentalserie wurde der wechselseitige Einfluss vom Stereotypbezug einer Personbeschreibung und Konnektoren auf die soziale Informationsverarbeitung untersucht. In zwei Lesezeitenexperimenten konnte gezeigt werden, dass bei Vorgabe einer stereotypen Personbeschreibung (primary processing) Konnektoren keinen Einfluss auf die Verarbeitung haben. Wie erwartet fand sich kein Unterschied in den Lesezeiten zwischen dem sprachlich verknüpften und unverknüpften stereotypem Text. Bei Vorgabe einer individuellen Personbeschreibung (secondary processing) hingegen konnte die Annahme bestätigt werden, dass Konnektoren verarbeitungserleichternd wirken. Dies zeigte sich in einem signifikanten Anstieg der Lesezeiten, wenn die personbeschreibenden Aussagen sprachlich unverknüpft dargeboten wurden.
Eine zweite Experimentalserie fokussierte die Integration stereotypinkonsistenter Information bei aktiviertem Stereotyp. In einem Lesezeitexperiment wurde gezeigt, dass stereotypinkonsistente Information schneller gelesen wird, wenn sie verknüpft dargeboten wird. Zudem wurde mittels eines Rekognitions-Priming-Paradigmas gezeigt, dass in der Rekognitionsphase die Aktivierung des stereotypinkonsistenten Target-Items durch das auch im Stimulustext vorausgehende Prime-Item schneller erfolgt, wenn die Items zuvor sprachlich verknüpft dargeboten wurden. Dies spricht für eine stärkere assoziative Verbindung zwischen dem Prime- und Targetitem, wenn diese sprachlich verknüpft wurden.
Zusammenfassend konnte in den vier Experimenten gezeigt werden, dass die Integration individueller Merkmale sowie stereotypinkonsistenter Information durch die Verwendung von Konnektoren erleichtert wird. Die Verarbeitung stereotypkonsistenter Merkmale hingegen wird nicht von Konnektoren beeinflusst. Zusammenfassend zeigen die Befunde, dass sich das scenario mapping Modell auf die soziale Informationsverarbeitung übertragen lässt.
Kurzfassung auf Englisch: The present study investigates the mutual influence of stereotypic knowledge and connecting expressions on the processing and comprehension of person descriptions. Specifically, the interaction between consistency of stereotypic information and linguistic conjunctions was analysed in detail.
The study is based on models from social cognition research which assume that social information processing is either guided by activated knowledge structures (i.e., stereotypes) or by individual attributes. Stereotypic thinking simplifies information processing and comprehension by means of an interpretative frame. In this case, processing is automatic and needs few cognitive resources. However, if any information is found to be inconsistent with the activated stereotype, processing difficulties emerge. The reader is anxious to account for the inconsistency, thereby initiating extensive integration and inference processes. Sometimes attributes cannot clearly be assigned to a particular stereotype. In this case, individual attributes are processed step-by-step and are related to one another. This mode of processing is known to require a lot of attention and to be time-consuming.
The study is further based on assumptions from text comprehension research that investigate the functions of conjunctions. Of particular note here is the model of integration function by Noordman and Vonk (1997), which assumes that conjunctions facilitate processing by signalling the underlying relationship between two statements.
The main part of this thesis tests the applicability of the scenario mapping model — developed by Sanford and Garrod (1998) in the context of text comprehension research — to the processing of social information. The model integrates assumptions about the role of previously acquired stereotypic knowledge structures and the function of conjunctions. The aim of my thesis is to demonstrate that this model, if applied to social cognition research, can extend and ameliorate the theoretical basis of social cognition research.
The scenario mapping model distinguishes two modes of processing: i.e., primary processing (categorical thinking) where stereotypic knowledge structures dominate information processing and conjunctions have no influence on processing and secondary processing (i.e., processing of individual attributes) where no stereotypic knowledge structure is available and integration of information is accomplished by inference processes. In this mode of processing conjunctions can facilitate processing by indicating how information should be dealt with.
In a first series of experiments the mutual influence of the categorization of a person description and conjunctions on social information processing was investigated. Two experiments using reading times as dependent variable demonstrated that conjunctions do not influence information processing of a stereotypic person description (primary processing). There was no difference in reading times between descriptions in which information was connected by conjunctions and descriptions in which this was not the case. However, processing of an individual person description (secondary processing) was facilitated when information was connected by conjunctions. This was indicated by a general increase in reading times when person descriptions were presented without these conjunctions.
A second series of experiments focused on the integration of inconsistent stereotypic information into an activated stereotype. A self-paced reading experiment demonstrated that inconsistent stereotypic information is read faster when connected by a conjunction. It was further shown by means of a recognition-priming-paradigm that activation of an inconsistent stereotypic target via a prime item previously presented in the stimulus text was faster when the items were initially connected by conjunctions. These findings support the assumption that the associative link between prime and target item is stronger when items are linguistically connected.
The four experiments demonstrated that integration of individual attributes as well as inconsistent stereotypic information is facilitated by linguistic conjunctions. Furthermore, the associative link between consistent and inconsistent stereotypic concepts is stronger when attributes are connected by conjunctions. However, processing of consistent stereotypic information is not influenced by conjunctions. In sum, findings demonstrate the applicability of the scenario mapping model to the social cognition research.
Lizenz: Veröffentlichungsvertrag für Dissertationen und Habilitationen

Home | Impressum | Über SciDok | Policy | Kontakt | Datenschutzerklärung | English